Aussetzer beim Beschleunigen

Alles zur Technik der 1100er & 850er Boxermodelle.
BMW_Martin
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Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BMW_Martin » Sa 24. Okt 2015, 19:16

Hallo zusammen,

vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben. Meine 1100R (Bj. 98) hat gelgentlich beim Beschleunigen Aussetzer.
Situation: Cruise im 5. Gang mit Drehzahl um 2000U/min versuche dann zu beschleunigen (kein abuptes Drehen am Gasgriff). Ab und zu verhält sich die Maschine, als würde die Zündung aussetzen. Danach fährt das Moped weiter ohne Ruckeln, beschleunigt problemlos. Versuche ich diesen Punkt noch einmal anzufahren, passiert der Aussetzer nicht mehr. Was könnte wohl die Ursache sein?

Allgemein zum Zustand:
> Zündkerzen ca. 2500 km gefahren (Iridium von NGK)
> Benzinfilter (Original von BMW) vor ca. 1 Jahr erneuert
> Luftfilter (K+N) im Frühjahr gereinigt
> Widerstände der Zündleitungen + Zündspule sind i. O.
> Ventile sind eingestellt (0,15 - 0,3)
> Mit Schlauchwaage penibel synchronisiert
> keine Fehlerspeichereinträge

Danke und Gruß
Martin

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BayernCrouser
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BayernCrouser » Sa 24. Okt 2015, 22:55

Woher willst du wissen dass die Zündspulen O.K. sind? Du hast bei der 1100 noch keine Stabzündspulen wie ich bei der 1150, aber die Doppelspulen können genauso kaputt gehen und das nur machmal zeigen. Ich habe meine Spulen an den Hauptkerzen oft getauscht und wieder zurückgetauscht. Aber ich konnte meistens keinen Zusammenhang erkennen mit der Tauscherei.

Z.B. ich hatte gerade sehr oft Zündaussetzer und habe also gleich die Spule auf einer Seite getauscht. Die Freude war groß, weil der Fehler für den Rest des Tages oder auch mal den nächsten Tag weg war. Suuuuper, also Gegenprobe, die alte Zündspule wieder rein, so dass der Fehler wieder da sein müßte :mrgreen: :cry: Arxchkarte, der Fehler bleibt auch mit der alten Zündspule tagelang weg. Erst als es noch schlechter wurde, also der Fehler dauerhafter da blieb , konnte ich mal eine Zündspule "überführen". Das selbe Spiel mit der zweiten etwa ein Jahr später. Da habe ich aber nicht mehr so lange gezögert, weil die eine ja schon getauscht war, kann es nur noch die zweite sein, also habe ich die auf Verdacht auch getauscht, und es war gut.

Ich will dir jetzt nicht sagen, es ist bei dir garantiert die Zündspule, bin ja kein Hellseher. Es kann ja auch der Hallgeber sein. Aber es würde mich interessieren wie du darauf kommst dass die Zündspule nicht der Übeltäter ist.

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BMW_Martin » Sa 24. Okt 2015, 23:14

Hallo,
vielen Dank für Deine Antwort.

Nun, ich sage ja nicht, dass die Zündspule (die 1100 R hat noch die Einfachzündung) i. O. ist. Ich habe ja lediglich beschrieben, in welchem Zustand sich die Maschine befindet und - speziell zur Zündung - dass die gemessenen Widerstandswerte offensichtlich i. O. sind. Und das auch nur im Moment der Messung. Damit will ich den Fehler ja nicht grundsätzlich ausschließen.
Aber wenn der Fehler im Bereich Zündspule, Zündkabel oder Zündkerzen liegt, - müsste die Maschine dann grundsätzlich bocken? Warum nur quasi einmal beim Beschleunigen aus diesem Drehzahlbereich? Das Verhalten lässt sich danach nicht noch einmal provozieren.

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BayernCrouser » Sa 24. Okt 2015, 23:27

BMW_Martin hat geschrieben: Aber wenn der Fehler im Bereich Zündspule, Zündkabel oder Zündkerzen liegt, - müsste die Maschine dann grundsätzlich bocken? Warum nur quasi einmal beim Beschleunigen aus diesem Drehzahlbereich? Das Verhalten lässt sich danach nicht noch einmal provozieren.
Ja, wie ich beschrieben habe, haben mich diese Zündspulen lange verarscht, weil sie nur manchmal und da nur immer ganz kurz gesponnen haben. Ich habe die erste wochenlang hin und her getauscht, bis ich mir sicher sein konnte, wirklich den Übeltäter ausgemacht zu haben. Das war ein Zeitraum von sechs bis acht Wochen, indem mich dieser Mist zur weißglut gebracht hat. Die kannst du reinstecken und sie kann ein paar Wochen wieder wunderbar funktionieren, oder auch nicht.

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von 1100erR » So 25. Okt 2015, 09:40

Wenn die Aussetzer nur in einem bestimmten Drehzahlbereich sind, dann würde ich eher auf die Drosselklappen, Drosselklappenanschlag, Baypassschrauben oder Nebenluft tendieren.
Gruß Jürgen

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » So 25. Okt 2015, 09:59

Hi
Ich würde es ignorieren bis es deutlicher wird. Kerzen, Filter schliesse ich aus, Einflüsse von Drosselklappen oder Bypassystem sind unwahrscheinlich.
Als Erstes würde ich (nach dem Ignorieren!) die Einspritzventile mal ultraschallreinigen lassen.
Erst wenn Du den Fehler reproduzieren kannst, tausche mal das Drosselklappenpoti gegen ein Anderes. Rüdiger hatte ein ähnliche Problem und da hatte der Schleifer im Poti offenbar an einer Stelle keinen ausreichenden Kontakt.
Nur hat er den Motor als Antrieb in seinem Flieger verwendet und machte sich deshalb Sorgen er würde nicht "rechts ranfahren" können.
gerd
Vollkommenheit entsteht offenbar nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.
Antoine de Saint=Exupéry

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von 1100erR » So 25. Okt 2015, 10:19

Mir ist nochwas eingefallen, Lambdasteuerung, zieh mal den Roten Codierstecker, vielleicht merkst du dann eine Veränderung?
Hi Gerd, das mit den Flugmotoren hab ich auch schon gehört, genauso wie Pumpenmotor für die Feuerwehr, schon toll für was die alten Boxer alles herhalten mußten.
Schöner Gruß Jürgen

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von Franz Gans » So 25. Okt 2015, 12:24

Halo Martin,

was heisst denn fuer Dich "Bj. 98"? Erstzulassung oder tatsaechlich Baujahr? Mit anderen Worten, welches Getriebe ist verbaut, schon MJ 97 oder aelter?

Bei meiner GS, allerdings 04 / 1996 und EZ im Mai darauf waren die Symptome sehr aehnlich den Deinen, und ich habe auch einige Zeit in die falsche Richtung gedacht und gesucht, bis ich auf das andererseits bereits bekannte und damals schon weit verbreitete Thema Gangspringer aufmerksam gemacht wurde.

Viele Gruesse
Karl-Heinz

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » So 25. Okt 2015, 17:38

Hi
1100erR hat geschrieben: Hi Gerd, das mit den Flugmotoren hab ich auch schon gehört, genauso wie Pumpenmotor für die Feuerwehr, schon toll für was die alten Boxer alles herhalten mußten.
Der BMW-Boxer darf nicht als Flugmotor eingesetzt werden. Zulässig ist er nur bei "Luftsportgeräten" (sprich Ultralight oder UL). Da fliegt er zwar auch, doch nur deshalb weil die ULs keine Motoren mit (schweineteuerer) Musterzulassung als Flugmotor brauchen.
Natürlich könnte man ihn entsprechend umbauen, doch dann wäre es kein BMW mehr. Der zum Flugmotor umgebaute VW-Boxer (Käfer) heisst z.B. "Limbach-Motor"
Flugmotoren haben z.B. doppelte Zündanlagen (Doppelzündung ist etwas Anderes). Viele der Dinger stammen technisch aus den späten Vierzigern(!). Nachdem der grösste Markt für kleine Flugmotoren die USA sind, ist man quasi gezwungen sie auch für dort zuzulassen. Das ist nicht mal allzu schwierig. Problematisch ist "nur" die Haftung nach US-Recht (McDonalds verkauft in den USA nur lauwarmen Kaffee weil sich einmal ein volldusseliger Ami versehentlich einen Becher heissen Kaffee über die Ei... gekippt, geklagt und Recht bekommen hat.
Von den schwachsinnigen Vorschriften befreit sind Konstruktionen vor einem bestimmten Datum, also die üblichen Dinosauriermotoren von Lycoming, Continental und Konsorten. 5 Liter Hub, 150 PS, 2500 1/min als max.Drehzahl, und ein gesunder Durst sind normale Eckdaten. Hat natürlich den Vorteil, dass man den Propeller direkt an die Kurbelwelle nageln kann.
gerd
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BMW_Martin » So 25. Okt 2015, 20:19

Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Einschätzungen.
Zu dem Getriebe, - es ist das neuere Modell und einen Gangspringer können wir ausschließen (hatte ich bei meiner alten 850R, das fühlte sich ganz anders an ...).
Werde einmal die Widerstandsverläufe der Drosselklappe mit einem Scope nachmessen. Vielleicht habe ich ja Glück und man sieht hier schon einen Schleiferabheber oder eine Unregelmäßigkeit. Und eine Tour ohne Codierstecker ist ja auch schnell gemacht.

Ansonsten muss ich wohl wirklich warten, bis der Fehler häufiger auftritt oder sich reproduzieren lässt. Werde berichten.

Danke und Gruß
Martin

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BMW_Martin » Mo 14. Dez 2015, 18:06

Hallo zusammen,

hier nun die Rückmeldung. Habe mich nach einigen Recherchen entschieden, die Lambda-Sonde zu erneuern. Laut Fehlerspeicher und letzter AU war zwar alles i. O., aber nach 17 Jahren und 56tkm kann man davon ausgehen, dass die Sonde nicht mehr optimal arbeitet. Und jetzt? Die Maschine läuft definitiv harmonischer, auch wenn man einen gehörigen Anteil Einbildung abzieht. Der Motor läuft etwas weicher und die Gasannahme ist besser. Ob das langfristig so bleibt, muss man mal abwarten.

Grüße
Martin

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » Di 5. Jan 2016, 13:08

Hallo Martin,

falls ein kurzes Traktionsloch immer noch mal (hin und wieder) auftritt:
Es kann auch mit dem Ruckdämpfer (und dessen nachlassender Feder) im Getriebe zusammenhängen, wäre dann aber an sich (ohne Gangspringer) unktitisch.

VG

Didi

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von BMW_Martin » Do 7. Jan 2016, 20:11

Hallo Didi,

vielen Dank für den Hinweis. Falls sich das Verhalten doch wieder zeigt und es tatsächlich der Ruckdämpfer ist, - wie lange kann man damit wohl noch fahren? Wann sollte man den Dämpfer auf jeden Fall reparieren/erneuern lassen?


Danke und Grüße
Martin

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » Do 7. Jan 2016, 22:05

Hallo Martin,

falls es das wäre, kannt Du noch lange weiterfahren bis es richtig nervt. Der Ruckdämfer agiert wie er eigentlich (beim haten Lastwechsel) soll, nur eben häufiger, teils verzögert und mit größerem Drehwinkelspiel (-> etwas zusätzlicher Verschleiß)
Kritisch wird es wohl erst, wenn dann ein (echter) Ganspringer hinzu kommt, der in der Kombination noch rapider vorranschreitet.
Aber das Geräusch dabei, kennst Du ja schon.
Dein Problem, falls es weiter besteht, kann natürlich auch andere Gründe haben.
An das Getriebe einer R1100 / 850 würde ich reperaturmäßig erst dann ran gehen, wenn die Funktion tatsächlich nachhaltig gestört ist
oder (bzw. und) der Metall-Abrieb im Getriebeöl deutlich über den normalen leichten Flimmer hinaus geht.


Viele Grüße

Didi

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gerd_
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » Fr 8. Jan 2016, 08:41

Hi
Wenn ein defekter Ruckdämpfer im Getriebe zu Aussetzern beim Beschleunigen führt und mir das jemand seriös nachweisen und begründen kann, bezahle ich die Reparatur. Mit "Aussetzer" ist nicht der praktisch einmalige Vorgang des Chrashs gemeint.
http://www.powerboxer.de/getriebe-kuppl ... gangswelle.
Wenn die gesamte Feder ausgebaut wird tut sich sicher nichts mehr weil die Klauen nicht mehr ineinander greifen. Sollte sie brechen und Teile davon fehlen, fallen die in's restliche Getriebe (man würde es ganz sicher bemerken :-(; ist aber ein unbekannter Fehler).
Das hat nichts mit dem bekannten Gangspringer zu tu, das ist erst an der nächsten Welle.
gerd
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » Fr 8. Jan 2016, 20:27

gerd_ hat geschrieben:Hi
Wenn ein defekter Ruckdämpfer im Getriebe zu Aussetzern beim Beschleunigen führt und mir das jemand seriös nachweisen und begründen kann, bezahle ich die Reparatur. Mit "Aussetzer" ist nicht der praktisch einmalige Vorgang des Chrashs gemeint.
http://www.powerboxer.de/getriebe-kuppl ... gangswelle.
Wenn die gesamte Feder ausgebaut wird tut sich sicher nichts mehr weil die Klauen nicht mehr ineinander greifen. Sollte sie brechen und Teile davon fehlen, fallen die in's restliche Getriebe (man würde es ganz sicher bemerken :-(; ist aber ein unbekannter Fehler).
Das hat nichts mit dem bekannten Gangspringer zu tu, das ist erst an der nächsten Welle.
gerd
Hallo Gerd, Hallo Martin,

OK, wieder was von Gerd und seinen PowerBoxer-Technik seiten gelernt.
Die Konstruktion der Eingangswelle wurde offensichtlich ab Produktion 04/96 soweit geändert,
dass danach und insbesondere bei einem M97er Getriebe wie Du Martin es hast, die von mir ins Spiel gebrachte Fehlermöglichkeit konstruktiv nicht auftreten kann, Sorry.
Ich kenne halt nur das 95er Getriebe von innen.

Viele Grüße

Didi

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » Sa 9. Jan 2016, 14:01

Hi
Die Eingangswelle ist seit der ersten 1100 (M93) praktisch identisch. Am Anfang sah die Feder anders aus aber die Funktion war dieselbe.
Entweder es geht, oder (der Fall den ich nicht kenne) es geht gar nicht. Wie es, bedingt durch die Welle, zu Aussetzern kommen sollte kann ich mir nicht erklären, aber ich lasse mich überzeugen.
gerd
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von 1100erR » Sa 9. Jan 2016, 21:58

Hallo
Wenn diese Welle im Getriebe durchdrehen würde, müsste die Motordrehzahl in dem Moment ja noch oben gehen und man würde das ganze dann nicht als Aussetzer wahrnehmen, so denke ich mir das jedenfalls :!:
Schöner gruß Jürgen

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » So 10. Jan 2016, 09:54

Hi
1100erR hat geschrieben: Wenn diese Welle im Getriebe durchdrehen würde, müsste die Motordrehzahl in dem Moment ja noch oben gehen und man würde das ganze dann nicht als Aussetzer wahrnehmen, so denke ich mir das jedenfalls :!:
Theoretisch ist das auf jeden Fall so. Praktisch muss dazu der Schaden an der Eingangswelle gross sein. Aber was passiert mit den gebrochenen Teilen die dann notgedrungen quer durch das Getriebe rieseln?
Theoretisch und auch praktisch führt auch eine defekte Verzahnung der Kupplungsaufnahme zu mangelndem Vortrieb.
Beide Fälle würde ich nach kürzester Zeit nicht mehr unter "Ruckeln" oder "Aussetzer" einstufen. "Aussetzer" ist zwar korrekt aber die Zeitdauer geht gegen unendlich und ich würde dann "mangelnder oder fehlender Vortrieb" sagen.
gerd
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von 1100erR » So 10. Jan 2016, 15:44

Ja Gerd, mein Motorradkollege hatte 2006 so eine abgenutzte Zahneingangswellenpanne an seiner 1150er GS auf Korsika, der hat gleich gemerkt das der Urlaub nun zu Ende ist und durfte dann bei mir als Sozia mit nach Hause fahren :cry: GS wurde 2 Wochen später mit ADAC nachgeliefert :thumb: Getriebe haben wir dann selbst getauscht, aber seit dem Zeitpunkt hatte er kein vertrauen mehr in seine Q, er Kaufte sich dann eine 1200GS und ist bis Heute zufrieden mit ihr!
Schöner Gruß Jürgen

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » Fr 15. Jan 2016, 05:06

gerd_ hat geschrieben:Hi
Die Eingangswelle ist seit der ersten 1100 (M93) praktisch identisch. Am Anfang sah die Feder anders aus aber die Funktion war dieselbe.
Entweder es geht, oder (der Fall den ich nicht kenne) es geht gar nicht. Wie es, bedingt durch die Welle, zu Aussetzern kommen sollte kann ich mir nicht erklären, aber ich lasse mich überzeugen.
gerd
Hallo Gerd,

ob es mir gelingen kann, Dich zu überzeugen, ohne dass auch Andere das von mir beobachtete Phänomen als Serienfehler hier bestätigen können, muss sich zeigen. Ich gebe natürlich zu, dass ich kein Guckloch in mein damaliges Getriebe gebohrt habe und wärend der Fahrt dort unten zugeschaut habe, was drinnen genau vor sich geht. Die "Messung" erfolgte also mit dem "Popometer".

Jedenfalls war das Verhalten des Getriebes, als ich die Q (R1100 aus 95) mit knapp 50Tkm übernommen habe, von Anfang an viel weicher beim Lastwechsel und beim Wiedereinkuppeln als bei der R1100 üblich. Ich gehe inzwischen davon aus, dass dies (u.a.) daran lag, dass die Feder des Ruckdämpfers nicht mehr die Härte bzw. Länge hatte, wie im Neuzustand und wie üblich (Vielleicht messe ich mal nach, wenn ich mal Zeit habe das "Schrottgetriebe" zu zerlegen). Natürlich gibt es auch andere elastische Stellen im Antriebsstrang einer R1100, aber der Ruckdämpfer müsste eigentlich die weicheste Stelle sein. Mit erlahmender Feder nimmt die Weicheit natürlich zu (Gebrochen war die Feder nicht!). Dass sie Erlahmt war, ist nun meine Vermutung, da es bei diesen Runddraht-Federn in der Produktion durchaus zu großer "Serienstreuung" mit fehlerhaft gehärteten Exemplaren kommen kann. Die Eingangswelle ab 1996 verwendet (wie ich nun weiß) eine andere Federbauart (hochwertiger) und hat auch weniger Raum zum Einfedern (zumindest sieht das auf dem Foto so aus). Daher gehe ich davon aus, dass BMW hier bewusst deutlichen Mehraufwand inverstiert hat, um die Schwächen der Getriebe auszumärzen. Ein Durchrutschen des Ruckdämpers ist hier vermutlich nicht mehr möglich.
Bei meinem damaligen Getriebe hatte ich nicht lange Zeit die o. g. Weichheit zu genießen, weil es dann zum Springen der Gangräder (auf der Nachbarwelle) kam. Man kann am "Klong" dann natürlich deutlich hören, dass hier nicht bloß ein nachschwingender Ruckdämper Unruhe in die Beschleunigungsphase bingt, sondern das die Schaltzapfen (oder wie es auch immer heißt) materialmordend aneinander krachen. Dies war bei mir aber immer begleitet von einer dann wieder lautlosen Nachschwinung, die ich dem (weichen) Ruckdämpfer in die Schuhe schiebe.
Der Gangspringer hat sich dann rapide verschlimmert (Mehrfachspringer) und war immer von dieser Schwingung begleitet. Da andere schon geschrieben haben, sie wären mit einem Gangspringer noch etliche Tausend Kilometer (ohne nennenswerte Verschlimmerung) unterwegs gewesen, wemute ich, dass bei mir dann eine Art Resonanz von Gangspringer und Ruckdämperschwingung eingetreten ist, die zur schnelleren Zerspanung der Getriebeteile geführt hat. Vielleicht ist es aber auch ganz anders: Dass die Anderen nämlich etwas gefühlt haben, was noch gar kein (echter) Gangspringer war (und da wäre m. E. auch der Ruckdämpfer verdächtig).
Ich für mich gehe jedenfalls davon aus, dass ein Gangspringer auf den Schaltwellen im dynamischen Zusammenspiel (bzw dem Schwingungsverhalten) durch den Ruckdämpfer der Eingangswelle (und dessen Federsteifigkeit) stark beeinflusst werden kann. Ich gehe aber nicht so weit, diesen Effekt für den Gangspringer mit verantwortlich zu machen. Dafür gibt es in der Kontruktion der M94 Getriebe sicher an anderer Stelle genug schuldige Besonderheiten.

Viele Grüße

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » Fr 15. Jan 2016, 10:05

Hi
Sorry, aber das kann so nicht sein. Angenommen die Feder wäre vollkommen erlahmt, dann würde sie unter Last sofort "auf Block" gehen. Dazu braucht sie nicht mal eine viertel Kurbelwellendrehung (Drehzahl der KW und der Getriebeeingangswelle sind identisch sofern die Kupplung OK ist)! Bei einer Leerlaufdrehzahl von 1000 1/min ist das vollkommen irrelevant.
Der Dämpfer dient auch in erster Linie dazu die ungleichförmige Drehung der Kurbelwellen zu egalisieren damit die Schwingungen der Kurbelwelle nicht(weniger) in's Getriebe gelangen. Nachdem die Kurbelwelle bei einem 4-T-Zweizylinder nur einmal pro Umdrehung beschleunigt wird, wird sie während des Arbeitstaktes schneller und dann langsamer. Diese Ungleichförmigkeitheit ist schlecht für das Getriebe weil dessen Zähne Lastimpulse verarbeiten müss(t)en. Dagegen hilft dieser Dämpfer auf der Eingangswelle. Das ist übrigens auch einer der Gründe weswegen die Zahnräder des Getriebes eines Vierzylindermotors mit gleichem Drehmoment zierlicher ausfallen können!

Wenn Du das Getriebe zerlegst wirst Du sehen, dass von seinem theoretisch möglichen Arbeitshub nur ein Bruchteil genutzt wird.
Die Ursache für Dein Problem würde ich bestenfalls bei der Kupplung suchen (lahme Feder, schlecht geschmierte Keilwelle, klemmendes Seil).

Bevor jemand fragt: Der Dämpfer in der Kardanwelle dämpft deren Schwingungen die aufgrund ihres Ungleichlaufs bei nicht identischen Knickwinkeln entstehen und sowohl Getriebe wie auch HAG malträtieren.
gerd
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » Sa 16. Jan 2016, 17:09

gerd_ hat geschrieben:Hi
Sorry, aber das kann so nicht sein. Angenommen die Feder wäre vollkommen erlahmt, dann würde sie unter Last sofort "auf Block" gehen.

Der Dämpfer dient auch in erster Linie dazu die ungleichförmige Drehung der Kurbelwellen zu egalisieren damit die Schwingungen der Kurbelwelle nicht(weniger) in's Getriebe gelangen.

Wenn Du das Getriebe zerlegst wirst Du sehen, dass von seinem theoretisch möglichen Arbeitshub nur ein Bruchteil genutzt wird.

gerd
Hallo Gerd,

OK, nach der Diskussion hatte ich eh vor, das vor acht Jahren getauschte Getriebe noch einmal zu öffnen und den Ruckdämpfer (Bauart M93) genauer zu untersuchen und auch mal zu fotografieren (falls Interesse besteht).

Bist Du Dir tatsächlich sicher, dass der Ruckdämpfer in der Getriebeeingangswelle nur die Kurbelwellenunruhe wegdämpfen soll (wie beim Freilauf von Lichtmaschinen-Riemenscheiben)? Ich wäre jetzt mal davon ausgeganden, dass es in erster Linie Kuppel- und Schaltschläge sowie die starken Lastwechsel des Boxers sind, die hier zwischen Kupplung und Kardanwelle abgedämpft werden sollen.

PS: Währt Ihr für die Powerboxer-Technikseiten vielleicht daran interessiert, Fotos der vollkommen geschägigten Getriebeteile eines 3ter-Gang-Gangspringer-M94 Getriebes zu bekommen und ggf. auch einen Textbeitag (nur Fakten - keine Vermutungen) dazu? (Ich bin damals gefahren, bis die Schaltgabeln fast durchgefressen waren, sieht echt "nett" aus)

Viele Grüße

Didi

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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von gerd_ » Sa 16. Jan 2016, 22:38

Hi
[/quote]
didithekid hat geschrieben:OK, nach der Diskussion hatte ich eh vor, das vor acht Jahren getauschte Getriebe noch einmal zu öffnen und den Ruckdämpfer (Bauart M93) genauer zu untersuchen und auch mal zu fotografieren (falls Interesse besteht).
Von meiner Seite nicht. Ich hab' da etliche fotografiert
[quote="didithekid"
Bist Du Dir tatsächlich sicher, dass der Ruckdämpfer in der Getriebeeingangswelle nur die Kurbelwellenunruhe wegdämpfen soll (wie beim Freilauf von Lichtmaschinen-Riemenscheiben)? Ich wäre jetzt mal davon ausgeganden, dass es in erster Linie Kuppel- und Schaltschläge sowie die starken Lastwechsel des Boxers sind, die hier zwischen Kupplung und Kardanwelle abgedämpft werden sollen.
[/quote]
Sonst würde ich es nicht schreiben
[quote="didithekid"PS: Währt Ihr für die Powerboxer-Technikseiten vielleicht daran interessiert, Fotos der vollkommen geschägigten Getriebeteile eines 3ter-Gang-Gangspringer-M94 Getriebes zu bekommen und ggf. auch einen Textbeitag (nur Fakten - keine Vermutungen) dazu? (Ich bin damals gefahren, bis die Schaltgabeln fast durchgefressen waren, sieht echt "nett" aus)
[/quote]
Nein danke. Ich könnte ein Album füllen. Auch zu den Gangspringern gibt es einen Beitrag. Der optische Unterschied zwischen defekten, Springern verursachenden und intakten Klauen ist gar nicht so gross und für Interessenten die sich nicht detailliert damit befassen und die Unterschiede kennen sehr schwer darstellbar und deshalb als Grafiken dargestellt (weil man da -zum besseren Verständnis- beliebig übertrieben darstellen kann).
gerd
Vollkommenheit entsteht offenbar nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.
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Re: Aussetzer beim Beschleunigen

Beitrag von didithekid » So 17. Jan 2016, 22:01

gerd_ hat geschrieben: [quote="didithekid"
Bist Du Dir tatsächlich sicher, dass der Ruckdämpfer in der Getriebeeingangswelle nur die Kurbelwellenunruhe wegdämpfen soll...

Sonst würde ich es nicht schreiben
gerd
OK Gerd, jetzt verstehe ich erst, wie schwierig es hier werden würde, Dich zu überzeugen. Wichtige Grundvorrausetzung dabei wäre ein Konsens darüber, dass der Ruckdämpfer auch (und insbesondere) beim Schalten und Kuppeln in Bewegung gerät (auch beim gesunden Getriebe). Damit fängt meine offensichtlich "gewagte" Theorie nämlich an.

Falls ich beim Begutachten meiner Getriebeeingangswelle sichtbare Indizien dafür finde, dass der Ruckdämfer tatsächlich genug Luft von der M93er Feder für Bewegung bis zum "Durchrutscher" hatte, werde ich das versuchen mit Fotos zu dokumentieren und mich dann dazu wieder melden.
Dass Du nicht mit diesem Fall rechnest, habe ich natürlich verstanden.

Viele Grüße

Didi

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